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11.04.2019

(04.04.2019) Osnabrück/Chemnitz. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 gründete Sebastian Häfker seine Initiative "Faires Kämpfen". Seitdem hat der Osnabrücker Polizist und ehemalige Deutsche Polizeimeister im Judo zahlreiche Kinder mit seinem Integrationsprojekt erreicht - zuletzt auch an einem besonderen Ort.


Die Judo-Lehrer Mohanad Alhajee, Sebastian Häfker und Henry Hubert (von links) mit Kindern eines interkulturellen Horts in Chemnitz.                 Foto: Jan Karow

Im März waren Häfker und sein Co-Trainer Mohanad Alhajee an einem interkulturellen Hort zu Gast und organisierten einen dreitägigen Judo-Workshop. Alles ganz normal also - oder doch nicht ganz: Sie fuhren dafür nach Chemnitz. Die sächsische Stadt ist im vergangenen August durch tagelange rechtsradikale Krawalle in die Schlagzeilen geraten. 

Ein kleines Abenteuer


"In der Berichterstattung wird sowohl Chemnitz als auch die Polizei oft als rechts dargestellt", sagt Häfker und unterstreicht: "Ich schätze es nicht, wenn man jemanden so stigmatisiert." Deswegen habe er ein Zeichen setzen wollen. Für Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt, aber auch für die Stadt Chemnitz und für die Polizei.

"Faires Kämpfen" war bisher nur in und um Osnabrück aktiv, die Reise gen Osten wurde deshalb zu einem kleinen Abenteuer. Häfker recherchierte im Internet und rief bei einem passenden Hort an. "Die waren anfangs schon etwas verwundert", gibt er zu. Eines war ihm ganz wichtig: "Ich wollte nicht als Besser-Wessi auftreten."

Darum bat er seinen Freund und Kollegen Henry Hubert um Hilfe. Hubert ist ehemaliger Polizeieuropameister im Judo und stammt aus Leipzig. Und noch einen musste Häfker überzeugen: Mohanad Alhajee, seinen Co-Trainer. Alhajee lebt seit 2015 in Osnabrück ist seit der Teilnahme am ersten Workshop fester Bestandteil des Trainerteams.

"Ich war mir am Anfang nicht sicher, ob ich mitkommen soll, weil ich viel Negatives über die Stadt gehört habe", gibt Alhajee zu. "Aber ich mag es selber nicht, wenn ich verurteilt werde, weil ich Geflüchteter bin oder schwarze Haare habe. Und genauso habe ich anfangs gedacht."


Die Kinder, mit denen Alhajee, Häfker und Hubert arbeiteten, stammen aus neun Nationen. So sollte ein Zeichen für den Zusammenhalt gesetzt werden: interkulturell und innerdeutsch. Foto: Jan Karow

 

"Ein unglaubliches Erlebnis"


Zu dritt also machte sich das Team auf den Weg nach Chemnitz. Judo-Matten und -Anzüge steuerte die Osnabrücker Bürgerstiftung bei. Der Hort liege in einem sozialen Brennpunkt, sei umgeben von Plattenbauten, die meisten Eltern seien sozial schlechter gestellt, so schildert es Häfker. Nach drei Tagen Kennenlernen, Trainingseinheiten und Spielen hätten sie zum Abschied eine unheimliche Dankbarkeit erfahren: Das Mädchen, das Alhajeed zum Abschied umarmte. Der kleine Junge, traumatisiert vom Krieg, stotternd und kein Wort Deutsch sprechend, der Mühe hatte, ein "Danke" herauszubringen. 

 "Es geht uns in keinster Weise ums Kämpfen", sagt Häfker: "Wir wollen den Kindern zeigen, dass sie gemeinsam auch gegen Große erfolgreich sind." Foto: Jan Karow

 

"Es war ein unglaubliches Erlebnis", sagt Häfker. Auch Alhajee sieht jetzt positiver auf Chemnitz und seine Bewohner: "Es gibt nur so wenige schlechte Menschen dort, und so viele gute, die nicht gehört werden."

Und die beiden wollen wiederkommen. Der Osnabrücker Filmproduzent Jan Karow hat die drei Tage in Chemnitz mit seiner Kamera begleitet und arbeitet an einem Film über die Initiative. Wenn er fertig ist, wollen Häfker und Alhajee ihn den Kindern im Hort zeigen. Das haben sie ihnen fest versprochen.

Quelle: NOZ vom 05.04.2019 (Raphael Steffen)





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