Archiv

Subheadline: Referent Loring Sittler über „Bürger unternehmen Zukunft“
Startseite: 
13.10.2012

kiu Osnabrück. Loring Sittler ist einer der beiden Geschäftsführer des Generali Zukunftsfonds und war immer bürgerschaftlich tätig. In einer Veranstaltung der Bürgerstiftung Osnabrück wird er am Donnerstag einen Vortrag mit dem Titel „Bürger unternehmen Zukunft“ halten. Wir sprachen mit Sittler im Vorfeld.

Haben Sie Angst vor dem Älterwerden?

Nein, ich bin schon alt, 61. Und ich freue mich besonders auf die noch bevorstehenden Jahre, in denen ich mein stetig wachsendes Erfahrungswissen und meine Netzwerke für andere nutzbringend einbringen kann. Diese Tätigkeit macht mich zu einem glücklichen Menschen, der ein sinnerfülltes Leben im Alter vor sich hat.

Worüber werden Sie in Ihrem Vortrag sprechen?

Über die Eigenverantwortung, die Mitverantwortung und die Verantwortung vor der Schöpfung und darüber, dass die in unterschiedlichen Lebensphasen und unterschiedlichen Formen verwirklichte dreidimensionale menschliche Verantwortung dem Leben einen Sinn gibt.

Sie setzen sich für mehr Engagement der Generation 55 plus ein. Warum und wie genau?

Das hat mit unserer Antwort auf Ihre erste Frage zu tun, aber auch mit einem dringenden gesellschaftlichen Bedarf, der durch den demografischen Wandel und seine Folgen noch viel deutlicher wird, als er es bisher schon war. Wir brauchen ein ganz neues Potenzial an Nachbarschaftshilfe, um die immer weniger werdenden Familien und deren Funktionen (nicht nur, aber auch) in der Pflege zu ersetzen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und die allgemeine Lebensqualität zu erhalten.

Der demografische Wandel wird von vielen als „Bedrohung" gesehen. Ist es wirklich so schlimm?

Ja, es ist schlimm: Wir werden große Probleme bekommen, bis 2030 die sechs Millionen Erwerbsfähigen zu ersetzen, die bis dahin zu verzeichnen sind. Und die sehr hohe Zahl der Alten zu versorgen. Wir werden mindestens eine höhere Frauenerwerbsquote (und bessere Kinderbetreuung), eine längere Lebensarbeitszeit und eine bessere Abschlussquote im Bildungsbereich benötigen. Dazu brauchen wir wesentlich mehr als staatliche Programme. Wir brauchen das bürgerschaftliche Potenzial. Und das ist ja heute schon da und kann weiter ausgebaut werden. Wo die Gefahr wächst, wächst das Rettende auch - und wir fördern dieses Wachstum.

Was machen Sie beim Generali Zukunftsfonds?

Wir fördern alles, was dazu beiträgt, dass das bürgerschaftliche Potenzial der Älteren gestärkt werden kann. Das fängt bei den politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen an, das betrifft eine höhere Transparenz in der Zivilgesellschaft und ein besseres Wissensmanagement sowie eine verbesserte Kultur der Mitverantwortung und Zusammenarbeit. Das geht hinein in die öffentliche Wahrnehmung und Wertschätzung des bereits vorhandenen Engagements bis hin in das Agenda-Setting: Wir wollen, dass die Wichtigkeit und Werthaltigkeit der Hebung dieses Sozialkapitals gesellschaftlich erkannt werden.

Wie kann man bürgerschaftliches Engagement steigern?

Durch die vernünftige Ausgestaltung einer entsprechenden und nachhaltigen Ermöglichungsstruktur, zu der auch ein professionelles Freiwilligenmanagement gehört. Und dafür müssen auch Geldgeber aus allen Bereichen der Gesellschaft gewonnen werden.

„Bürger unternehmen Zukunft", eine Veranstaltung der Bürgerstiftung Osnabrück in der Vortragsreihe „Die Chancen des Alterns": Donnerstag, 18. Oktober, 17 Uhr, Haus der Kirche, Vortragsraum, Turmstraße 6-9.

Loring Sittler Foto: privat

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 13.10.2012






Termine