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Subheadline: Kulturausschuss diskutiert heute über den weiteren Umgang mit Person und Werk von Friedrich Vordemberge-Gildewart
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08.06.2011

lü Osnabrück. Keine „Konkreta“, dafür aber ein „Vordemberge-Gildewart-Jahr“: Der Kulturausschuss beschäftigt sich heute mit der Frage, wie die Beschäftigung mit Person und Werk des in Osnabrück geborenen Kon struktivisten Friedrich Vordemberge-Gildewart (1899– 1962) weiter gestaltet werden kann. Eine zunächst unter dem Titel „Konkreta“ für 2012 geplante Großausstellung, die Vordemberge und weitere Positionen der von ihm vertretenen Konkreten Kunst thematisieren sollte, wird es mit Rücksicht auf begrenzte Mittel nicht geben. Dafür soll mit dem 50. Todestag des Künstlers am 2. Dezember 2012 ein „Vordemberge-Jahr“ starten, das vielfältige, aber kleiner dimensionierte Projekte zu „VG“, so die Kurzbezeichnung für den Künstler, anbietet.

„Wir geben grünes Licht für das Unterfangen, Konkrete Kunst und Vordemberge als Thema weiter zu etablieren, wollen das aber im Rahmen unserer Möglichkeiten machen", sagte Kulturdezernentin Rita Maria Rzyski gestern auf Anfrage. Das vom ehemaligen Documenta-Leiter Jan Hoet entwickelte Konzept einer Großausstellung unter dem Titel „Konkreta" sei spannend, aber letztlich nicht zu realisieren gewesen. Die Stadt hat sich nach Rzyskis Worten nicht imstande gesehen, das Projekt zu verwirklichen, zumal für 2012 das Thema „500 Jahre Rathaus" und für 2013 eine Ausstellung mit der Impressionisten-Sammlung von Erich Maria Remarque als Projekte gesetzt seien.
Wie Rzyski weiter sagte, gab es auch bei der angefragten Stiftung Niedersachsen „wenig Neigung", das Projekt einer „Konkreta" zu fördern. „Wir hätten gern geholfen", sagte gestern Joachim Werren, Generalsekretär der Stiftung. Nach seinen Worten war der Etat des Projekts von, wie zu hören war, rund 1,2 Millionen Euro zu groß dimensioniert. „Das passt heute nicht mehr in die Landschaft", sagte Werren im Gespräch mit unserer Zeitung. Im Hinblick auf die hohen Kosten habe sich die Stiftung zurückgehalten, beobachte die Bemühungen um Vordemberge-Gildewart aber weiter mit Wohlwollen.
Das Projekt einer Großausstellung habe sich „als Utopie erwiesen", sagte Dr. Siegfried Hoffmann, Initiator der Osnabrücker „VG-Initiative". Jetzt müsse es darum gehen, weiter ein Bewusstsein für den Künstler und sein qualitativ hochwertiges Werk in Osnabrück zu schaffen. Das sei nicht an „große Formate" gebunden. Die Pläne für ein „Vordemberge-Jahr" wertete Hoffmann als ermutigendes Signal. Gotthard Czekalla, Vorsitzender des Museums- und Kunstvereins, schlug vor, das Andenken an „VG" durch die Benennung einer Straße, eines Platzes oder Schule weiter zu festigen.

Kommentar
Noch immer nicht erkannt

Die große Ausstellung zu Vordemberge-Gildewart wird es in Osnabrück nicht geben. Das mag man bedauern, einen grundsätzlichen Rückschlag für die Bemühungen um den Künstler und sein Werk bedeutet das aber nicht.

Für den Konstruktivisten kann auch auf andere Weise geworben werden. Entscheidend wird jedoch sein, ob die Stadt bereit ist, sich „VG" wirklich zum Thema zu machen. Dabei geht es nicht allein um Geld, sondern vor allem um Aufmerksamkeit. Bislang sieht es danach nicht aus. Leider.

Nach wie vor fehlt das Bewusstsein dafür, mit Vordemberge auf einen Künstler von außergewöhnlichen Qualitäten verweisen zu können. „VG": Das Kürzel steht für ein Gütesiegel. Die Tatsache, dass der Künstler in zentralen Museumssammlungen gemeinsam mit den großen Namen ganz selbstverständlich präsentiert wird, spricht für sich. Doch Osnabrück fremdelt weiter - vielleicht deshalb, weil sich mit Vordemberges abstrakten Bildern das Thema der Friedensstadt weniger gut verdeutlichen lässt? Hoffentlich nicht.


Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 08.06.2011