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30.03.2011

steb Osnabrück. Selbstbestimmt Wohnen mit Versorgungssicherheit: So lautet auf den Punkt gebracht das sogenannte Bielefelder Modell. Mitbegründerin Theresia Brechmann stellte das mittlerweile bundesweit nachgeahmte Konzept in einem Bürgergespräch zum Thema „Altersgerechte Wohnviertel“ vor.

Seit 30 Jahren existieren in manchen Bielefelder Stadtteilen bürgerschaftliche Initiativen, die Versorgungsstrukturen aufgebaut haben. „Sie erlauben es, im Alter sowie bei intensivem Hilfe- und Pflegebedarf im persönlichen Lebensumfeld wohnen zu bleiben", sagte Brechmann. Um das zu schaffen, müssten Kommune, Wohnungsunternehmen, Bürger- und Nachbarschaftsinitiativen sowie die Pflegedienstleister an einem Strang ziehen. Das sei auch in Bielefeld anfangs nicht leicht gewesen, schilderte Brechmann den gut 60 Zuhörern im Osnabrücker Ratssitzungssaal. „Wir haben lange miteinander geredet, viel Kaffee mit den Entscheidern getrunken und vermeintliche Hürden auch schon mal bei einem Glas Bier aus dem Weg geräumt."
Erreicht habe man, dass die Bielefelder kommunale Wohnungsgesellschaft in den Stadtquartieren zahlreiche Wohnungen für hilfsbedürftige Ältere barrierefrei gebaut oder umgestaltet habe.

Servicestützpunkt
Die Größe der Quartiere sei so berechnet, dass der Hilfs- und Pflegedienst jeden Bürger in acht Minuten erreiche und maximal 800 Haushalte zum jeweiligen Wohnprojekt gehörten. „Bei dieser Größe kennt man sich noch untereinander", so Brechmann. Ausgestattet seien die Viertel immer mit einem Nachbarschaftstreff oder Wohncafé und einem Servicestützpunkt des ambulanten Dienstes. „Er richtet sein Angebot auf den konkreten Bedarf der Bürger aus und koordiniert seine Leistungen rund um die Uhr", schilderte Brechmann. Durch die Anwesenheit vor Ort fielen Wegeverluste weg: „Es bleibt so mehr Zeit für den Pflegebedürftigen." Das Wohnen in den Projekten koste keine Betreuungspauschale; für alle sei jede Dienstleistung täglich zu- oder abwählbar, sagte Brechmann.
Das Modell lebe aber auch durch die vielen Ehrenamtlichen. Sie übernähmen Nachbarschaftshilfen, weggebrochene Familienstrukturen oder kochten in Wohncafés. Einer der Erfolge des Modells: Die Zahl der Pflegefälle sei in den Quartieren rückläufig, sagte Brechmann.
Die Bürgerstiftung plant eine Exkursion nach Bielefeld, um sich das Modell vor Ort anzuschauen. Interessenten wenden sich an Koordinator Wolfgang Timm (E-Mail: wtimm@gmx.net, Telefon 05 41/8 89 80).

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 30.03.2011