Die Bürgerstiftung Osnabrück in der Presse

Subheadline: Rettungsschirm für Künstler, Musiker & mehr: Kulturbrücke Osnabrück startet Fundraising für Erhalt der Kulturlandschaft – Bürgerstiftung & Stadt dabei
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25.05.2020

Osnabrück (24.05.2020) – Über die Verwendung der 250 000 Euro an Projektmitteln, die von der Stadt OS zusätzlich zurVerfügung gestellt werden, um Kulturschaffenden durch die Zeit ohne Aufträge in der Corona-Pandemie zu helfen, wird in den nächsten Tagen entschieden. 240 Anträge sind nach Angaben von Patricia Mersinger, der Leiterin des städtischen Fachbereichs Kultur, für die Mittel eingegangen.

Reichen wird das Geld nicht – ganz im Gegenteil: Die Folgen der Beschränkungen durch das andauernde Aus für Konzerte, Theater, viele weitere Kulturveranstaltungen und von größeren Events wie der Maiwoche sind so weitreichend und neben den Kreativen hängen noch so viele weitere Menschen mit daran, dass das durch einen einstimmigen Ratsbeschluss bewilligte Geld höchstens den viel zitierten Tropfen auf dem heißen Stein bilden wird. Hier nachzubessern und noch einen weiteren neuen Fördertopf für Kulturschaffende zu erschließen – dieser Plan wird nun vom Osnabrücker Verein Ars Vivendi verfolgt.

 

Unterstützt von der Bürgerstiftung und dem Fachbereich Kultur der Stadt sowie noch von vielen weiteren Partnern wie Lagerhalle und Diözesanmuseum hat der Verein die Fundraising-Aktion „Kulturbrücke Osnabrück“ aufgelegt, bei der Spenden gesammelt werden, die dazu verwendet werden sollen, Kulturschaffende und Kulturbetriebe zu fördern, die gerade besondere Unterstützung benötigen. „Wir haben die Aktion erst jetzt gestartet, weil sie nicht so etwas wie ein Schnellschuss werden oder verpuffen sollte. Uns war es wichtig, uns erst mit Partnern wie der Stadt und der Bürgerstiftung zu vernetzen, so dass deutlich wird, dass es eine seriöse Aktion ist und wir sorgsam mit den Spenden umgehen“, sagt Sascha Göpel vom Verein Ars Vivendi (Die Kunst zu Leben), einer der Initiatoren.

 

So wird beispielsweise das Spendenkonto der Kulturbrücke von der Bürgerstiftung verwaltet und geführt – auch damit keine Gebühren wie sonst beispielsweise auf Crowdfunding-Plattformen anfallen. „Wir führen das Konto kostenlos und es fallen keine Verwaltungskosten an“, sagt Ulrike Burghardt, Vorsitzende der OS-Bürgerstiftung. „Die Aktion passt gut zu unseren Zielen, gemeinnützige Aktivitäten zu fördern und eben auch den Gemeinsinn zu stärken und dazu aufzurufen, Verantwortung für andere zu übernehmen. Deswegen sind wir gerne mit eingestiegen“, betont sie. Auch Spendenquittungen für das Finanzamt können bei der Aktion ausgestellt werden.


Rettungsschirm für Kultur (v.l.): Ulrike Burghardt (Bürgerstiftung),
Sebastian Strauß (Ars Vivendi), Patricia Mersinger und Anke Bramlage
(Fachbereich Kultur), Sascha Göpel (Ars Vivendi).
Foto: Jens Lintel


Göpel (47) und Strauß (28) gehen davon aus, dass die Auswirkungen des „Lockdowns“ im Kultur- und Veranstaltungssektor noch gar nicht absehbar sind. Neben den Künstlern, Musikern, Schauspielern, Kleinkünstlern etc., die zurzeit keine Auftritte haben, betrifft das Aus nach ihren Angaben auch noch viele weitere Unternehmen und andere freiberuflich arbeitende Menschen, die Soloselbstständige sind und deren Existenz ebenfalls mit am Kulturbetrieb hängt. Es gehe um eine beträchtliche Anzahl von Menschen. „Ton- und Lichttechniker sind davon ebenso betroffen wie Fotografen, die sonst Bilder für Plakate machen, oder die Grafiker, die Werbemittel gestalten“, sagt Göpel.

 

Da eine Rückkehr zum Normalbetrieb im Kulturbereich längst nicht abzusehen sei, soll nun mit der Crowdfunding-Aktion eine Art „Rettungsschirm“ aufgespannt werden, unter dem möglichst vielen Kulturschaffenden, Kulturbetrieben und weiteren Mitwirkenden durch die schwere Zeit geholfen werden soll. Wie genau das Geld verwendet wird und wer es erhält, wird eine Jury mit unabhängigen Mitwirkenden u. a. aus allen Kulturbereichen entscheiden, wobei noch genaue Kriterien für die Vergabe erarbeitet werden. „Alles soll so transparent wie möglich sein“, sagt Göpel.

 

Vorgesehen ist, dass sich Kulturschaffende/-betriebe etc. an das Projekt wenden und Fördermittel beantragen können. „Dabei sind Einzelförderungen ebenso denkbar wie Projekte mit mehreren Beteiligten“, sagt Göpel. „Was machbar ist, hängt natürlich auch von den Mitteln ab, die wir zur Verfügung haben. “Es wird auch darüber nachgedacht, Benefizkonzerte oder weitere Spendenaktivitäten mit Kreativen zu organisieren, die beispielsweise im Internet ausgestrahlt werden oder unter den jetzt geltenden Beschränkungen auch draußen laufen könnten. „Wir sind gerade dabei, Ideen zu erarbeiten. Im Internet soll es dann aber nicht direkt bei uns laufen, sondern in den Kanälen von Künstlern und Kulturbetrieben, die in den letzten Wochen entstanden sind.“

 

Auf der Internetseite der Kulturbrücke wird die Aktion genau erklärt, außerdem wird auf Online-Kulturveranstaltungen in der Region hingewiesen. „Wir wollen da zu einer möglichst vollständigen Übersicht kommen“, sagt Göpel.

 

Wunsch ist es, dass auch Spendenläufe oder weitere Aktivitäten für die Kulturbrücke von Unterstützern organisiert werden. „In Hamburg ist eine ähnliche Aktion gestartet worden, die zu einem riesigen Erfolg geführt hat. Wenn es bei uns auch nur in Ansätzen so laufen würde, wäre es eine ganz tolle Sache, mit der sich viel bewirken ließe“, sagt Patricia Mersinger. Wie Anke Bramlage, Leiterin des Projektbüros im Fachbereich Kultur, berichtet, konnten viele Kreative keine Mittel aus Förderprogrammen beantragen oder das Geld sei noch nicht angekommen bzw. reiche nicht. Sie hofft, dass viel Unterstützung zusammenkommt, damit die kulturelle Durststrecke besser überwunden werden kann. Ars Vivendi richtet sonst in Kooperation mit der Stadtbibliothek die Silent-Reading-Partys bei „Shock Records“ und weitere Konzerte und Veranstaltungen aus. Infos über www.kulturbruecke-os.de.

 

Quelle: ON am Sonntag (Jens Lintel)