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09.10.2010

hedi Osnabrück. „Wir wollen Kinder bewegen und Osnabrück zur Kinderbewegungsstadt machen. Wir hoffen, dass Osnabrück sich diesen Namen in drei bis vier Jahren verdient hat“, sagte Klaus Lang für die Bürgerstiftung bei der Vorstellung des Projekts „Kinderbewegungsstadt“ im Rathaus. Das Ziel: Familien zu einem gesünderen und aktiveren Lebensstil zu animieren.

Dazu sollen bestehende Initiativen stärker vernetzt werden. Gut 40 Vertreter von Sportvereinen, Kindergärten und Schulen diskutierten im Ratssitzungssaal über ein Zusammengehen verschiedener Konzepte und teils bereits angelaufener Kleinprojekte. Der Vorsitzende der Bürgerstiftung gab die Richtung vor: Ein gemeinsames Schulungsprogramm zur frühkindlichen Erziehung mit einer Ernährungsberatung bereits für werdende Eltern soll erarbeitet werden. Kindergärten und Grundschulen werden rekrutiert, um die Pläne umzusetzen.
Die wissenschaftliche Leiterin der „Kinderbewegungsstadt" Prof. Renate Zimmer, Direktorin des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung, stellte als ersten Baustein ein Konzept vor, dass bereits an vier Schulen der Region durchgeführt wird: Beim halbjährigen EU-Projekt „Gesunde Kinder in gesunden Kommunen", an dem in Deutschland Darmstadt und Osnabrück teilnehmen, geht es um ein bewegungsfreundliches Umfeld, um die Integration von Sport und ausgewogener Ernährung in den Familien-Alltag.
Spielen im Freien, eine tägliche Bewegungsstunde, ein aktiver Schulweg - viele Dinge seien mit Unterstützung der Eltern leicht umzusetzen, so Zimmer. Mit Blick auf stundenlang vor Computer oder Fernseher sitzende Kinder warb sie für einen Sinneswandel: „Bewegung ist eine Voraussetzung für Bildung und Gesundheit. Lerninhalte werden über Bewegung besonders gut vermittelt."

Problem Übergewicht
Die Osnabrücker Sportwissenschaftlerin mahnte: „Während früher am Nachmittag das Sitzen vom Vormittag ausgeglichen wurde, ist es heute umgekehrt. Auch die Institutionen müssen sich darauf einstellen." Studien hätten gezeigt, dass Kinder, die nach einem bewegten Konzept unterrichtet werden, mittags sogar konzentrierter sind als morgens vor der Schule.
Projektinitiator Martin Engelhardt untermauerte diese Argumente mit drastischen Schilderungen: Der Unfallchirurg am Klinikum Osnabrück berichtete von immer mehr Übergewichtigen, die zum Beispiel künstliche Kniegelenke benötigen. Bei ihm tauche jede Woche mindestens ein Patient auf, der mehr als 140 Kilo wiegt. „Das war zu Beginn meiner Tätigkeit als Arzt anders. Wenn wir den Hebel nicht irgendwann umlegen, wird das Sozialsystem nicht mehr finanzierbar sein", warnte er.

Quelle: Neue Osnbrücker Zeitung vom 09.10.2010