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Subheadline: Klaus Lang blickt auf seine Zeit als Chef der Bürgerstiftung zurück
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09.06.2018

(09.06.2018) Knapp zehn Jahre war Klaus Lang Vorsitzender der Bürgerstiftung Osnabrück. Jetzt ist der 74-Jährige sozusagen in den Ruhestand gegangen – teilweise jedenfalls, denn die Ideen für die Stiftung gehen ihm nicht aus.

Knapp zehn Jahre Vorsitz der Bürgerstiftung: Warum dieser Einsatz?

Als ich 2008 in meinem Job als Arbeitsdirektor der Georgsmarienhütte auf den Ruhestand zuging, suchte ich etwas, um mich ehrenamtlich zu engagieren. Wir lebten zu der Zeit zwar erst fünf Jahre in Osnabrück, aber wir haben die Stadt schätzen und lieben gelernt und wollten hierbleiben. Und dann kam die Anfrage, ob ich mir den Vorsitz der Bürgerstiftung vorstellen kann.

Was überzeugt Sie an der Idee der Bürgerstiftung?

Osnabrück ist eine Stadt, in der bürgerschaftliches Engagement sehr präsent ist. Durch die Kirchen zum Beispiel oder auch durch die Stiftungen großer Firmen. Aber die Bürgerstiftung ist noch einmal etwas Besonderes. Sie ist weder weltanschaulich noch religiös noch politisch gebunden. Sie ist auch nicht nur für einen Zweck da. Man kann in vielen Bereichen Gutes tun – Soziales, Kultur, Sport – und für alle Generationen. Diese Vielfalt hat mich sehr begeistert.

Braucht eine Stadt so etwas?

Unbedingt. Staatliche Hilfe leistet zwar viel in Sachen Grundversorgung, und wir als Stiftung würden uns auch weigern, diese Grundversorgung zu übernehmen. Aber es gibt eben mehr als die Regelausgaben. Und da können wir eben schnell und unbürokratisch helfen. Auch bei Kleinigkeiten, wenn zum Beispiel ein Kind schneller aus den Turnschuhen rauswächst, als die Harz-IV-Regeln das vorsehen. Und die Stadt braucht so etwas noch aus einem anderen Grund: In der Bürgerstiftung können Menschen, die Geld übrig haben oder vielleicht etwas vererben wollen, das in ihrer eigenen Stadt tun, in der sie vielleicht ihr Leben lang gewohnt haben. Diese persönliche Nähe, der enge Kontakt, das ist wichtig.

Haben Sie so etwas wie ein Lieblingsprojekt?

Mein Lieblingsprojekt sind die „Kinderwünsche“. Das hat vor Jahren ziemlich klein angefangen mit ein paar Weihnachtspäckchen. Inzwischen sind es über 1000 Kinder, die wir in Stadt und Landkreis zu Weihnachten beschenken. Allein das Päckchenpacken ist eine Riesenaktion, bei der von Azubis bis zu Senioren alle mit anpacken. Das ist ein richtiges Gemeinschaftsprojekt, wo man spürt, was Bürgerstiftung heißt. Und inzwischen erfüllen wir Kinderwünsche nicht nur zu Weihnachten, sondern auch sonst im Jahr.

Wird Ihnen etwas fehlen?

Ach, ein bisschen Wehmut ist natürlich immer dabei. Aber ich sage immer: Alles hat seine Zeit. Ich freue mich auf mehr Freizeit, denn meine Aufgaben für die Bürgerstiftung haben schon viel Zeit gekostet. Allein die Aufgabe, die Stiftung bekannter zu machen und immer neue Stifter und Sponsoren zu finden – da ist man oft unterwegs, um mit vielen Leuten ins Gespräch zu kommen. Und außerdem höre ich ja nicht völlig auf mit der Stiftungsarbeit.

Haben Sie besondere Pläne?

Weiter engagieren will ich mich auf jeden Fall in der Initiative Vordemberge-Gildewart, damit dieser Osnabrücker Künstler in der Stadt den Rang erhält, der ihm gebührt. Und dann habe ich noch einen anderen Plan, der aber noch nicht ganz spruchreif ist.

Können Sie uns wenigstens die Richtung verraten?

Es geht in Richtung Kunst, Theater und Musik für Kinder. So etwas wie unser inzwischen recht bekanntes Projekt „Kinderbewegungsstadt“ – nur eben im Bereich Kultur.

Langjähriger Chef der Osnabrücker Bürgerstiftung: Klaus Lang. Foto: André Havergo

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 09.06.2018