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Subheadline: Deutscher Stiftungstag zeigt Wege aus der Ertragskrise – Paradebeispiel Bürgerstiftung Osnabrück
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18.05.2017

(18.05.2017) sst Osnabrück. Für viele kleine und mittlere Stiftungen ist die anhaltende Nullzinsphase ein Desaster. Banker raten zu professioneller Vermögensverwaltung und mehr Risiko bei der Kapitalanlage. Die Bürgerstiftung Osnabrück trotzt der schlechten Ertragslage indes mit kreativem Fundraising.

Wie Stiftungen in Deutschland auch in Zeiten wegbrechender Renditen mehr statt weniger wirken können, ist eines der großen Themen beim Deutschen Stiftungstag 2017 in Osnabrück. Zu den vielen Finanzexperten, die Teilnehmern Wege aus der Ertragskrise aufzeigen wollen, gehört auch das Bankhaus Lampe. Das Düsseldorfer Geldinstitut betreut nach eigenen Angaben über 160 Stiftungen aller Art. Allein in der Osnabrücker Niederlassung seien es 15 bis 20 Stiftungen, die meisten davon gemeinnützig, sagt Filialleiter Christian Montag.

Viele Kunden in diesem Bereich eint gegenwärtig das große Problem, auf dem Geldmarkt mit herkömmlichen Methoden nicht mehr genügend zu erwirtschaften. Mithin fehlt es ihnen zunehmend an finanziellen Mitteln, die sie zur Erfüllung ihres jeweiligen Stiftungszwecks brauchen. Insbesondere für kleine Stiftungen mit geringem Vermögen könne das existenzgefährdend sein, erklärt Frank-Peter Martin, Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung im Bankhaus Lampe. Denn komme ihre Arbeit deswegen zum Erliegen, drohe im schlimmsten Fall die Aberkennung der Gemeinnützigkeit. „Für viele Stiftungen ist die Nullzinsphase ein Desaster.“

Doch was tun? „Weg von reinen Anleihen, hin zu Aktien und Beteiligungen“, lautet Martins Rat. Doch da lauert schon die nächste Schwierigkeit: Die meisten Stiftungsvorstände sind schließlich keine Börsenprofis und mit einem riskanten Vermögensmanagement überfordert. Stephan Dankert, Abteilungsdirektor Steuern und Stiftungen, empfiehlt deshalb, die Neuordnung der Kapitalanlage denen anzuvertrauen, die sich damit auskennen. „Es gibt in der Investmentwelt noch viele Möglichkeiten, Geld zu verdienen, aber das können nur Spezialisten.“

Die Bürgerstiftung Osnabrück fährt derweil eine andere Strategie, um handlungsfähig zu bleiben. Ausgestattet mit einem Kapital von rund einer Million Euro, setzt sie vor allem auf das Einwerben von Spenden und Zustiftungen. „Unser Fundraising ist überdurchschnittlich“, stellt die stellvertretende Vorsitzende Ulrike Burghardt fest. Zum Beispiel habe 2016 der Geldmarkt für die Bürgerstiftung Osnabrück lediglich einen verwendungsfähigen Gewinn von 17?000 Euro abgeworfen. Trotzdem konnte sie im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 160?000 Euro für Projekte aufwenden –etwa für die Geschenke-Aktion „Kinderwünsche“, das Kinder-Mentorenprogramm „Balu und Du“ und die Kinderbewegungsstadt (Kibs).

Zivilgesellschaftliches Engagement mit Ortsbezug sei gerade im sozialen Bereich unerlässlich, so Burghardt. „Auch in der Glückshauptstadt Osnabrück herrscht Not!“ 23,8 Prozent der Kinder würden hier unterhalb der Armutsgrenze leben. An diesem Punkt setze die Arbeit der Bürgerstiftung an. „Wir wollen den Menschen mit kleinen Hilfestellungen ihre Stärke beweisen.“

Geld tut Gutes: Zahlen, Daten und Fakten über Stiftungen auf noz.de



Quelle: Neue Osnabarücker Zeitung vom 18.05.2017