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Subheadline: Aktionstag „Handschlag“ der Bürgerstiftung bringt Firmen und Jugendliche zusammen
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17.07.2015

(17.07.2015) Osnabrück. 15 Unternehmen und drei öffentliche Einrichtungen haben beim Aktionstag „Handschlag 2015“ der Bürgerstiftung Osnabrück mitgemacht. Sie gaben Mitarbeitern und Auszubildenden frei, damit diese sich einen Tag lang in sozialen Projekten engagieren konnten. Gemeinsam mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen aus Osnabrücker Einrichtungen zeigten sie, was man alles schaffen kann, wenn man gemeinsam anpackt.

An der Montessori-Schule Osnabrück waren gleich zwei Unternehmen zu Gast: Junge Auszubildende der Baufirma Dieckmann und von der Firma Volbers & Redemann Garten- und Landschaftsbau gestalteten den tristen Innenhof der Schule um. Sie verlegten neue Pflastersteine, bauten einen Grillplatz und pflanzten Blumen und Kräuter in die neu angelegten Beete ringsum. Einen Schwenkgrill und eine Sitzbank spendierte Dieckmann zusätzlich.

„Der verwilderte Innenhof war uns schon lange ein Dorn im Auge“, berichtete Schulleiterin Annette Geiger. Deshalb habe sich die Schule mit dem Projekt „Grünes Klassenzimmer“ bei der Bürgerstiftung beworben. Auf der Projektbörse im April in der Handwerkskammer war der entsprechende Partner bereits nach fünf Minuten gefunden: Friedrich Pfohl von der Baufirma Dieckmann aus Hagen versprach, sich der Sache anzunehmen.

„Die Zusammenarbeit mit den Schülern der Montessori-Schule hat sehr gut geklappt“, sagte Pfohl jetzt beim Rundgang über den neu gepflasterten Hof. Seine an dem Projekt beteiligten Auszubildenden wiederum hätten nicht nur ihre eigenen Fertigkeiten zeigen können, sondern auch gelernt, Menschen zu führen und anzuleiten.

Gewinn für beide Seiten

„Handschlag“ bringe beiden Seiten Gewinn, erklärte Klaus Lang, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung. Es gehe nicht nur um den wohltätigen Zweck, sondern auch darum, die eigenen sozialen Kompetenzen zu schärfen und Einblick in eine fremde Lebenswelt zu erlangen.

„In diesem Jahr war es nicht ganz leicht, für jedes Projekt einen passenden Kooperationspartner zu finden“, berichtete Projektleiter Dieter Höfner von der Bürgerstiftung, der die Aktion „Handschlag“ von Anfang an begleitet. Dank der hervorragenden Beziehungen der Stiftung zu lokalen Unternehmen sei es letztlich aber doch gelungen, alle 21 Kooperationsprojekte zu verwirklichen. Erstmals dabei waren die Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, die Sparkasse Osnabrück sowie die Firma Garten- und Landschaftsbau Wellmann.

Im Bildungszentrum der Handwerkskammer durften sich 13 Kinder aus dem Hort „Rosenkinder“ als Tischler versuchen und einen eigenen Werkzeugkasten aus vorgesägten Holzteilen zusammenbauen, den sie am Ende des Tages mit nach Hause nehmen durften. „Viele Kinder und Jugendliche hatten noch nie in ihrem Leben einen Hammer oder einen Schraubendreher in der Hand“, berichtete Tischlermeister Peter Ostendorf, der den Kindern die einzelnen Arbeitsschritte erklärte.

Mit Kopf und Hand

Diese machten sich mit Schleifpapier, Lineal und Bleistift sofort an die Vorarbeiten, bevor es der Reihe nach an die große Bohrmaschine ging. „Die Kinder interessieren sich für Handwerksberufe und wollen Verschiedenes ausprobieren“, sagte die stellvertretende Hort-Leiterin Gisela Bergmann. Lernen funktioniere eben nicht nur über den Kopf. Sobald man die Kinder selbst etwas tun lasse, seien sie begeistert bei der Sache.

Für neu zugewanderte Jugendliche hatten der Jugendmigrationsdienst im Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Osnabrück und das Berufsschulzentrum Westerberg Betriebserkundungen vorbereitet. Sie sollten erste Einblicke in die in Deutschland übliche duale Ausbildung erhalten. Auf dem Programm standen die städtische Feuerwehr, der Osnabrücker Servicebetrieb und die Firma Piepenbrock.

Hisa Cercur (22), Auszubildender zum Gärtner bei der Stadt Osnabrück, berichtete den jungen Leuten voller Begeisterung von seinem abwechslungsreichen Arbeitsalltag und davon, wie er an seine Ausbildungsstelle gekommen war: „Ich bin 2010 aus dem Irak nach Deutschland gekommen und sprach damals auch kein Wort Deutsch“, machte er den Jugendlichen Mut. Mit Unterstützung des Jugendmigrationsdiensts habe er gelernt, wie man sich über Ausbildungsberufe informiert und um eine Stelle bewirbt.

Bei vielen „Handschlag“-Projekten ging es in diesem Jahr darum, etwas Neues zu bauen oder Räume und Gärten zu verschönern. An der Horst-Koesling-Schule der HHO errichteten Auszubildende der Firma Gust Garten- und Landschaftsbau einen Gedenkstein für die Verarbeitung von Trauererfahrungen. Dieser Idee liege der Tod von drei Schülern und einem Lehrer im vergangenen Jahr zugrunde, erklärte Schulleiter Michael Grimmelsmann. Von der Zusammenarbeit mit der Gartenbaufirma waren die Schüler gleich so begeistert, dass einige von ihnen spontan nach Praktikumsmöglichkeiten fragten. 

Neben solchen Bauprojekten und Informationsveranstaltungen über mögliche Berufsfelder gab es aber auch wieder eine Reihe von Aktionen, die alleine Spaß und Spiel gewidmet waren. „Jeder kann bei ,Handschlag‘ mitmachen, ob mit seiner Fachkompetenz oder einfach mit Offenheit und Interesse gegenüber Kindern und Jugendlichen aus anderen Kulturkreisen“, betonte Klaus Lang. 

Eine Bildergalerie
und einen os1.tv-Film zum Projekt „Handschlag“ sehen Sie im Internet auf www.noz.de