Die Bürgerstiftung Osnabrück in der Presse

15.01.2011

Osnabrück (re) – wer über Geld verfügt und es bis zu seinem Lebensende und darüber hinaus sicher anlegen und wohltätig verwenden will, der sollte eine Stiftung erwägen. Das empfiehlt Sebastian Kotte, Prokurist und Stiftungsbeauftragter des Osnabrücker Vermögensbetreuers Spiekerman in einem ON-Interview. Er weist darauf hin, dass die Frage der Sicherheit einer Geldanlage hochaktuell sei: „Gibt es inflationäre oder deflationäre Tendenzen, wie werthaltig sind die einzelnen Währungen, wie weit kann die Staatsverschuldung noch gehen“ – das seien Fragen, die sich Vermögensverwaltern und Geldanlegern heute stellten. Stifter seien, auch wenn steuerliche Gründe eine Rolle spielten, überwiegend Wohltäter, die ihr Kapital „für die Ewigkeit“ bereithielten, um die Erträge dem eigentlichen Stiftungszweck zur Verfügung zu stellen, so Kotte.

Stifter können sich unsterblich machen. ON-Interview mit dem Finanzexperten Sebastian Kotte über den Sinn von Stiftungen.

Von Klaus Reinmöller

ON: Herr Kotte, Sie sind Stiftungsbeauftragter des Vermögensbetreuers Spiekermann in Osnabrück. Wie ordnen Sie unter den verschiedenen Formen der Geldanlage den Bereich „Stiftung" ein?

Kotte: Der ursprüngliche Stiftungsgedanke ist, dass man sein Kapital für die Ewigkeit bereithält, um aus diesem Stiftungsstock Erträge zu erzielen, die dann dem eigentlichen Stiftungszweck zur Verfügung stehen. Gerade angesichts der aktuellen Marktbedingungen und der Situation in der Weltwirtschaft ist das Stiftungsmodell für private Anleger interessant, die sich angesichts der niedrigen Zinsen natürlich fragen: Wie erziele ich die Ausschüttung, die ich brauche, und wie schaffe ich es, mein Kapital substanzerhaltend anzulegen? Die wichtige Frage der Sicherheit einer Geldanlage muss heute anders beantwortet werden als vor drei Jahren.

Aber ein Stifter erzielt die Rendite nicht für sich persönlich, sondern für den Stiftungszweck, der meistens ein guter ist. Sind Stifter also immer auch Wohltäter?

So kann man es sagen. Der ideelle Wert steht bei einer Stiftung im Vordergrund, es kommen auch Steuervergünstigungen ins Spiel, aber nicht vorrangig. Hauptsächlich verfolgen die Stifter das Ziel, für da Gemeinwesen, für die zukünftigen Generationen oder für eine bestimmten Zweck etwas Gutes zu tun.

Sie spielen die Steuerfrage ein bisschen herunter. Ist denn die Annahme so abwegig, dass jemand, der viel Geld hat, einen Teil davon, oder sogar alles, mit Hilfe einer Stiftung vor dem Zugriff des Staates in Sicherheit bringen will?

Sie müssen bedenken, dass das Geld, das Sie in eine Stiftung geben, aus Ihrem eigenen Vermögen verschwindet. Dies ist ein einmaliger Schritt, den man sich wohl überlegen muss und der auch nicht mehr rückgängig zu machen ist. Deshalb steht bei einem Stifter die Frage im Vordergrund: Was möchte ich erreichen, und was will ich der Nachwelt hinterlassen?

Und was ist es, was Stifter erreichen möchten, können Sie einige Beispiele nennen?

Es gibt eine Vielzahl an Stiftungen wie beispielsweise die Bertelsmann-Stiftung oder die Volkswagen-Stiftung. In Osnabrück gibt es die Bundesstiftung-Umwelt, die ein Vermögen in den Dienst der Umwelt stellt. Die Bürgerstiftung stellt sich in den Dienst der Allgemeinheit, der Bürger. Diesen bekannteren Stiftungen stehen viele - auch volumenmäßig kleinere - gegenüber. Es gibt beispielsweise Kunststiftungen (Rudolf-Englert-Stiftung) oder die Spes-Viva-Stiftung, die Schwerstkranken und Sterbenden palliative Betreuung zukommen lässt.

Gibt es irgendwelche Bedingungen hinsichtlich eines Stiftungszwecks, also etwa was seinen Sinn oder Unsinn angeht. Wie wäre es beispielsweise mit einer Stiftung für ein Puppenspieltheater?

Das liegt tatsächlich im Belieben eines Stifters. Aber er muss sich über eines im Klaren sein: Bei einer Stiftung geht es eher um Jahrzehnte als um Jahre. Um bei Ihrem Beispiel zu bleiben: Das mag sinnvoll sein, wenn sicher ist, dass ein Puppenspiel 20 oder 30 Jahre Bestand hat. Ist das nicht der Fall, kann der Stiftungszweck nicht mehr erfüllt werden.

Stifter müssen also nachhaltig handeln und in großen zeitlichen Dimensionen denken - auch an ihr Lebensende und darüber hinaus.

So ist es. Sie können sich auch unsterblich machen, indem sie an andere Generationen weitergeben, was ihnen wichtig ist.

Gibt es einen Mindestbetrag für das Stiftungskapital?

Der Gesetzgeber lässt Stiftungsgründungen ab 10 000 Euro zu. Aber da muss man sich natürlich fragen, welcher Stiftungszweck mit den dann entsprechend geringen Erträgen erfüllt werden kann.

Ihr Haus hat einen neuen Stiftungsfonds aufgelegt. Für Sie sind also auch wohlhabende Wohltäter ein Geschäftsmodell. Welche Entwicklung sehen Sie?

Unsere Mandanten haben uns insgesamt ein Vermögen von über 500 Millionen Euro vertrauensvoll zur Verwaltung überlassen, und ich komme damit wieder auf Ihre Eingangsfrage zurück. Die Frage der Sicherheit einer Geldanlage ist hochaktuell. Gibt es inflationäre oder deflationäre Tendenzen, wie werthaltig sind einzelne Währungen, wie weit kann die Staatsverschuldung noch gehen? Das sind Fragen, die sich uns und den Anlegern heute stellen. Darum ist es wichtig, das Vermögen krisensicher, wasserdicht und gut strukturiert anzulegen. Das sehen auch unserer Mandanten so, weshalb aus ihrem Kreis die Anregung kam, auch ein Stiftungsmodell beim Vermögensmanagement einzubringen. Will heißen: Annähernd jedes Vermögen ist wie ein treuhänderisches Stiftungsvermögen.

Richten Sie den Blick dabei auch auf die demografische Entwicklung der Bevölkerung?

Ja natürlich. Wir haben jetzt eine Generation, die vor der Frage steht: Wem kann ich Gutes tun? Das kann dann durchaus verbunden sein mit der Profilierung des eigenen Images oder dem Wunsch, mit einem Stiftungsziel Wertschätzung zu gewinnen. Aber ich möchte auch darauf hinweisen, dass es auch andere Bereiche gibt, die eng mit einer Stiftung verwandt sind, wie etwa Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung. Insofern berührt dieses Thema in gewisser Weise jeden.

Haben Sie die Absicht, den Stiftungsgedanken in besonderer Weise zu propagieren?

Ja. Wir laden am 7. April 2011 zu einem „Stiftungstag" ins Kloster Ohrbeck ein. Neben dem Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, Carl-Ludwig Thiele, werden dem Stiftungswesen eng verbundene Experten wie Stiftungsgründer, - vorstände, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Rechtsanwälte an der Veranstaltung teilnehmen. Stiftungsmitglieder - aber auch alle interessierten Privatpersonen sowie diesbezüglich engagierte Institutionen - können sich bereits heute unter Telefon 0541/33588-0 anmelden.

Quelle: ON am Sonntag vom 15.01.2011